und war vielleicht genau deshalb nicht nur arbeitsam, sondern am 5. November 2019 richtig spannend. „Beschäftigen wir uns jetzt wirklich einen ganzen Tag mit Heinrich Böll?“ „Ja, das machen wir und das machen wir in und durch gemeinsame Arbeit, der es weniger um Heinrich Böll als um unser eigenes Verständnis von Arbeit gehen soll.“
'Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral' – so lautet der Titel einer von Böll 1963 geschriebenen Anekdote, die die Begegnung zweier sehr verschiedener Arbeitsauffassungen beschreibt. Nicht wenig Text für eine siebte Klasse, also auch nicht wenig Arbeit mit einem Text. Für uns als Team der Klasse 7.5 ging es dennoch weniger um einen erweiterten Deutschunterricht als darum, unsere Schüler bewusst sehr persönlich danach zu fragen, warum überhaupt Menschen arbeiten.
„Ich glaube, Menschen wäre sonst langweilig“, so Nileyn. „Ich will glücklich und zufrieden sein“, so ganz klar Haydar. „Ich weiß noch gar nicht so richtig, was ich überhaupt einmal machen will. Es ist aber interessant von den anderen zu erfahren. So weiß ich, was ich nicht will“. Jan sollte Recht behalten. Warum überhaupt arbeiten Menschen? Warum arbeiten sie auch dann, wenn sie gar nicht so richtig wissen, was und warum sie arbeiten wollen?
Wir waren ehrlich überrascht von den Antworten der Kinder. Natürlich geht es um die Sicherung von Grundbedürfnissen und Lebensverhältnissen; natürlich geht es um Geld und auch um Anerkennung. Was uns wirklich überrascht hat war, dass viele Kinder eben nicht in Geld und Anerkennung einen Grund für sich beschrieben, sondern in so etwas wie Sinn, Wertschätzung, ja Spaß und eben keine Langeweile. Vielleicht ist der Mensch ja wirklich als soziales Wesen zu Arbeit gezwungen, weil er ohne diesen Zwang gar nicht wüsste, wie er sich als soziales Wesen erfahren und begreifen sollte.
Arbeit, Arbeit, nix als Arbeit!
Und noch dazu einen ganzen Tag lang. Dank des bereits vorbereiteten Materials, das maßgeblich durch Frau Jänsch und einem Arbeitskreis anlässlich des 100. Geburtstages von Böll vor zwei Jahren erarbeitet wurde; dank eines Ausfluges in die hörbaren Welten von youtube und in kreative Annäherungen sind wir heute als Klasse unserem eigenen Verständnis von Arbeitsmoral erheblich nähergekommen.
„Ich will etwas Handwerkliches machen, vielleicht was mit Technik. Da sehe ich auch sofort die Erfolge“, so in der Abschlussrunde Joshua. „Ich möchte Anwältin werden, anderen Menschen helfen und vielleicht selbst irgendwann ein Vorbild für andere Mädchen sein“, so im Plenum vor einer beeindruckten Klasse Sandy.
Am Ende des Textes von Heinrich Böll empfindet ein Tourist Neid, wo er vorher Mitleid fühlte. Neid auf einen einfachen Fischer, weil dieser bereits da ist, wo der andere hinwill: Rückblickend auf einen guten Fang genießt der Fischer die Aussicht aufs Meer und den Moment. Rückblickend auf den heutigen Tag erlebten wir als Klasse 7.5 einen Tag weniger als Arbeit, sondern als Gewinn, nicht im finanziellen oder materiellen Sinne, sondern im Sinne der Selbstbegegnung. Viele von uns wissen jetzt erheblich genauer, warum sie überhaupt welche Arbeit auch immer einmal tun möchten. Viele von uns wären am Ende des Tages viel lieber der Fischer als der Tourist. Unsere Arbeitsmoral hat sich trotzdem und gerade deswegen nicht gesenkt. Ganz im Gegenteil!
Team 7.5





















